stress bei kindern reduzieren

Damit wir und unsere Kinder gesund bleiben, achten wir darauf, dass sie gesund essen, sich bewegen und genug schlafen. Und obwohl diese Dinge wichtig sind und sicherlich auch positive Auswirkungen auf unsere Psyche haben, kann es dennoch passieren, dass sich unsere Kinder schlecht fühlen. Die Gründe dafür können sehr vielfältig sein.

Fakt ist jedoch, dass sich durch unseren teilweise sehr hektischen Alltag immer mehr Stress bei Kindern entwickelt. Jedes 5. Kind und jeder 6. Jugendliche kämpfen schon heute mit körperlichen Auswirkungen, die das mit sich bringt.

Diese Entwicklung empfinde ich als verheerend und falsch. Deshalb ist es mir wichtig, Dich für dieses Thema zu sensibilisieren. Denn oftmals wird nicht bemerkt, dass ein Kind durch Stress mentale Schwierigkeiten entwickelt, die bis in die Depression führen können.

Wie Du erkennen kannst, ob Dein Kind gestresst ist, warum Dein Kind Dich für sein seelisches Wohlbefinden braucht und was Du konkret tun kannst, um den Stress bei Deinem Kind zu reduzieren, erkläre ich Dir in diesem Beitrag.

Woran Du erkennst, dass Dein Kind gestresst ist

Es gibt viele verschiedene Arten, wie unser Körper auf Stress reagiert. Trotzdem haben sich bestimmte Signale herauskristallisiert, die besonders dann auftreten, wenn jemand unter (dauerhaftem) Stress leidet. Und das gilt losgelöst vom Alter.

Solche Signale können sein:

  • Schlaflosigkeit
  • Appetitlosigkeit
  • Stimmungsschwankungen
  • schlechtere Konzentration
  • verkürzte Aufmerksamkeitsspanne
  • Zurückgezogenheit und Vermeidung von anderen
  • kein Interesse mehr an Dingen, die vorher Freude bereitet haben
  • negative Gedanken

Bei Kindern können zusätzlich Schulprobleme hinzukommen, z. B. Schwierigkeiten mit Freunden/Klassenmitgliedern oder ein plötzlicher Leistungsabfall.

Alle diese Dinge sind nur Hinweise auf Stress. Sie können einzeln, aber auch gemeinsam auftreten. Beobachte Dein Kind einfach aufmerksam. Du kennst es am besten.

Warum Dein Kind deine Unterstützung braucht

Wenn Du jetzt merkst, dass es Deinem Kind seelisch nicht gut geht, kannst Du aktiv etwas dafür tun, um die mentalen Abwehrkräfte Deines Kindes zu stärken.

Wir wissen alle, dass sich unsere Kinder nur bedingt um ihre eigene körperliche Gesundheit kümmern können. Wenn sie erkältet sind oder Fieber bekommen, helfen wir ihnen selbstverständlich. Wir kümmern uns auch darum, dass sie gesund essen, genug schlafen und sich bewegen, um Krankheiten vorzubeugen.

Das gleiche sollte für die mentale Gesundheit gelten, was vielen von uns nicht bewusst ist. Denn Stress bei Kindern kann sich eben auch körperlich auswirken. Psychologen haben herausgefunden, dass ein Kindergehirn darauf ausgelegt ist, von einem Erwachsenen zu lernen. Das heißt, unsere Kinder sind ohne eine stabile Beziehung zu einer fürsorglichen Bezugsperson emotional völlig verloren. Dabei ist es jedoch glücklicherweise egal, wer dieser Erwachsene ist. Im besten Fall natürlich ein Elternteil, aber diese Funktion können auch Großeltern, LehrerInnen, Mentoren in jeglicher Form übernehmen.

Das macht Hoffnung, bedeutet aber gleichzeitig, dass wir alle als Gemeinschaft für die psychische Gesundheit der nachfolgenden Generationen (mit)verantwortlich sind. Denn es kann passieren, dass Du die Person bist, die die Warnzeichen bei einem Kind in Deiner Umgebung wahrnimmt. Oder die Person, der sich ein Kind mit seinen Sorgen und Nöten anvertraut. Oder die Person, die einem Kind die Unterstützung geben soll, die es in dem Moment braucht. Darauf solltest Du vorbereitet sein.

Damit Du (D)ein Kind konkret unterstützen kannst, habe ich für Dich eine Liste mit Ideen zusammengestellt, die auf der einen Seite Stress reduzieren, sich auf der anderen Seite gut in den Familienalltag integrieren lassen.

5 Ideen, die Stress bei Kindern reduzieren

1. Tut, was Ihr am liebsten tut – als Familie

Was macht ihr gerne zusammen als Familie? Draußen toben, Bücher lesen, kuscheln, basteln, sich um Tiere kümmern? Nehmt Euch bewusst Zeit dafür und für einander. Denn unser Gehirn braucht die Gemeinschaft – am besten natürlich mit Menschen, die wir lieben – um wachsen zu können. Sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen.

2. Nehmt Gefühle ernst und sprecht darüber

Nur wer seine Gefühle kennt und benennen kann, kann mit ihnen umgehen. Sprich mit Deinem Kind darüber, dass alle Gefühle gleich wertvoll sind und dass man sie nicht verstecken muss. Helfe Deinem Kind, seine Gefühle verbal auszudrücken, indem Du ihm passende Wörter nennst. Zeige auch andere Formen, wie man Gefühle ausdrücken kann, erkläre aber gleichzeitig, dass man dabei sich und andere nicht verletzen darf. Sei ein Vorbild und sprich selbst offen und ehrlich über Deine eigenen Gefühle. Je mehr ein Kind versteht, dass es ok und sicher ist, Gefühle zu haben, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Dir kommt und mit Dir spricht, wenn es Schwierigkeiten hat. Dass es sich von Dir helfen lässt, wenn es Hilfe braucht.

Es gibt viele Möglichkeiten, um mit Deinem Kind über Gefühle ins Gespräch zu kommen. Ich empfehle für Kleinkinder sehr gerne die Bilderbücher „Ich bin jetzt…“  von Constanze von Kitzing oder „Der stinkesaure Braunbär“ von Martina Badstuber. Bei Schulkindern habe ich schon gute Erfahrungen mit „Ein Dino zeigt Gefühle“ von Christa Manske und Heike Löffel gemacht (Werbung ohne Auftrag).  Ein weiterer, detaillierterer Blogbeitrag zu diesem Thema ist aber auch bereits in Vorbereitung. 😉

3. Erkennt negative Gedanken und wandelt sie gemeinsam um

Wer kennt es nicht: Manche Tage sind einfach nicht gut. Und an solchen Tagen ist es für unser Gehirn besonders leicht, uns Streiche zu spielen. Wenn es uns sowieso schon nicht gut geht, sorgt es dafür, dass wir vor allem die negativen Dinge wahrnehmen, die rund um uns passieren. Positive Ereignisse werden regelrecht ignoriert, was dazu führt, dass unsere Gemütslage nur noch schlechter wird. Es entwickelt sich eine Abwärtsspirale, nicht nur bei Kindern. Aber besonders Kinder brauchen unsere Hilfe, um diese negativen Gedankenmuster zu durchbrechen.

Doch wie kann man diese Art Gedankenmuster erkennen? Durch Gespräche! Frage Dein Kind, wie es ihm geht und was es beschäftigt. Wenn negative Gedanken für Dich erkennbar sind, stelle Deinem Kind Fragen wie z.B.

  • Was würdest Du Deinem Freund raten, wenn er solche Gedanken hätte?
  • Was wäre das schlimmste, was passieren könnte? Ist das tatsächlich schon einmal passiert?
  • Aus welchem Grund bist Du davon überzeugt? Ist etwas passiert, dass diese Gedanken ausgelöst hat?

Bewerte die Wahrnehmungen Deines Kindes nicht! Stelle Dich als neutraler Berater zur Verfügung. Sätze wie „Du musst nur positiv denken!“ oder „Das stimmt doch überhaupt nicht, das ist so und so!“ haben noch keinem geholfen. Außerdem führt es dazu, dass sich Dein Kind nicht ernst genommen fühlt. Oder würdest Du das, wenn ein Freund von Dir so auf Deine Sorgen reagiert?

Das Ziel dieser Gespräche ist, Deinem Kind zu helfen, seine Gedanken einem Realitätscheck zu unterziehen. Wenn es diese Fähigkeit verinnerlicht hat, kann ihm das helfen, sich aus dem Teufelskreis der negativen Gedanken eines Tages selbst zu befreien. Und solche Phasen kommen in jedem Leben vor.

4. Übt gemeinsam Dankbarkeit

Wahrscheinlich ist diese Idee für Dich ein bisschen sperrig, denn sie erfordert Übung und ein Sich-darauf-einlassen. Dankbarkeit trägt jedoch nachgewiesenermaßen zur psychischen Gesundheit bei: sie stärkt das Selbstbewusstsein, verbessert die Stimmung oder sogar die allgemeine Einstellung zum Leben.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Dankbarkeit zu praktizieren. Für meine Kinder gehört es z. B. zum Ins-Bett-geh-Ritual, dass wir darüber sprechen, was am vergangenen Tag schön war, was nicht so gut war und wofür wir dankbar sind. Andere Familien führen ein gemeinsames Dankbarkeitstagebuch oder haben ein sogenanntes Dankbarkeitsglas, in das Zettel gelegt werden, auf die jedes Familienmitglied besonders schöne Erlebnisse aufschreiben kann. In selbst gewählten Zeitabständen werden die Zettel herausgenommen und helfen dann beim Erinnern an diese tollen Tage. (Eine Bastel-Anleitung dafür wird es in Kürze hier geben.)

5. Liebt Euch bedingungslos

Kindern ist die bedingungslose Liebe grundsätzlich angeboren. Nur wenn sie tief erschüttert wird, geht sie verloren. Für uns Erwachsene, mit all unseren Erfahrungen, die unser Gehirn abgespeichert hat, ist das manchmal nicht so leicht. In diesem Fall können wir aber etwas von unseren Kindern lernen. 🙂

Das eigene Kind so zu akzeptieren, wie es ist, einzigartig und vielleicht (un)perfekt, kostet an manchen Tagen sehr viel Kraft. An den anderen (den meisten) Tagen zum Glück nicht. Und obwohl ich weiß, dass Du das sowieso schon tust, habe ich es hier als kleine Erinnerung aufgeschrieben: Liebe Dein Kind, egal was ist.

Und vor allem: Sorge dafür, dass Dein Kind es weiß! Sage ihm „Ich liebe Dich, IMMER! Auch wenn ich mit Dir schimpfe oder sauer auf Dich bin. Vergiss das nie!“, so oft es geht. Diese Gewissheit schützt die Seele Deines Kindes ganz tief drinnen wie nichts Anderes, was Du ihm mitgeben kannst. Und deshalb ist das meiner Meinung nach die beste Idee von allen.

Soll ich Dich informieren, wenn ein neuer Blogbeitrag online geht? Oder möchtest Du noch mehr Ideen und Inspiration direkt in Dein Postfach? Dann melde Dich einfach hier an:

Du möchtest diesen Artikel teilen? Gerne! Dann bitte hier entlang: